Angst in der Familie beginnt oft leise. Ein Mensch, den Sie lieben, hat Angst und Sie merken es an Kleinigkeiten: an Umwegen, an Ausreden und an dem Blick, wenn z.B. die Bahn einfährt.
Als Heilpraktikerin für Psychotherapie in Werl erlebe ich, wie sehr Angst eine ganze Familie beschäftigt. Partner, Eltern und Geschwister machen sich Sorgen und viele wissen nicht, wie sie helfen können. Dieser Beitrag richtet sich an Sie.
Wenn die Angst in der Familie mitwohnt
Angst bleibt selten bei einem einzigen Menschen. Sie verändert, wie ein Alltag geplant wird. Es wird die Strecke gewählt, auf der es leichter geht, die Verabredung wird abgesagt, der Urlaub fällt kleiner aus. Angehörige übernehmen Wege, geben Rückendeckung und halten Konflikte klein, um den Familienfrieden zu wahren.
Von außen sieht vieles nach Rückzug aus. Von innen kostet jeder Tag Kraft. Dabei entsteht Abstand, obwohl sich alle Mühe geben. Die Betroffenen schweigen aus Scham und die Angehörigen wissen nicht, was sie fragen dürfen.
Was ich in der Praxis höre
Manche Klienten erzählen mir: ich habe mit meinem Partner gesprochen. Er meinte, ich bräuchte wohl Hilfe. Nach diesem Gespräch haben sie eingesehen, dass Unterstützung ihnen guttun kann. Sie wünschen sich, ruhiger zu werden und Situationen mit weniger Angst zu erleben, auch um den Familienfrieden zu wahren.
Manchmal begleiten Eltern das Erstgespräch. Ihr erwachsenes Kind fährt nicht mehr mit Bahn oder Auto zur Uni oder zur Ausbildung, trifft sich seltener mit Freunden und bleibt zunehmend zu Hause. Der Auslöser kann der Weg sein, manchmal sind es die Begegnungen mit anderen Menschen.
Andere melden sich selbst, weil sie merken, wie sehr die Angst ihr Leben einengt. Dinge, die früher Freude gemacht haben, fallen weg, aus Sorge vor einer Panikattacke.
Warum Drängen selten weiterhilft
Wer sich schämt, zieht sich zurück sobald Druck entsteht. Ein Satz wie „Du musst dich endlich behandeln lassen“ kommt als Vorwurf an und kann das Schweigen verstärken. Die Angst bekommt dann Gesellschaft von der Scham.
Hilfreicher ist eine Einladung. Ein Gespräch, in dem die Angst sein darf, öffnet oft mehr als jeder gute Rat. Eine Therapie beginnt am besten, wenn sie die eigene Entscheidung des Menschen ist, der Angst hat und das gerne verändern möchte.
Was Angehörige tun können
Hören Sie zu, ohne zu bewerten. Fragen wie „Was würde dir gerade helfen?“ oder „Wie fühlt sich das für dich an?“ öffnen ein Gespräch, in dem die Angst nicht gleich eingeordnet werden muss.
Nehmen Sie die Angst ernst und achten Sie darauf, wie viel Sie abnehmen. Wenn Wege dauerhaft übernommen werden, bleibt die Erfahrung aus, dass es auch anders gehen kann. Kleine gemeinsame Schritte, die der Mensch selbst bestimmt, können diese Erfahrung zurückbringen.
Machen Sie ein Angebot für den nächsten Schritt. Sie können beim Suchen helfen, einen Termin vereinbaren oder zum Erstgespräch mitkommen, wenn die betroffene Person das möchte. Was im Gespräch besprochen wird, bleibt vertraulich.
Bleiben Sie in Kontakt, auch wenn Termine abgesagt werden. Ihre Verbundenheit kann ein wertvoller Halt sein.
Auch Sie dürfen Entlastung suchen
Wer einen Menschen begleitet, trägt viel mit: Sorgen, Rücksichtnahme, manchmal Erschöpfung. Ihre eigenen Grenzen und Bedürfnisse zählen ebenso. Sprechen Sie mit Vertrauenspersonen oder suchen Sie sich selbst ein Gespräch. Im Erstgespräch ist Raum für Fragen von Angehörigen, wenn die betroffene Person das wünscht.
Wenn es dringend wird
Befindet sich ein Mensch in einer akuten seelischen Krise oder äußert er Gedanken, sich das Leben zu nehmen, rufen Sie den Notruf 112 an. Die Telefonseelsorge ist kostenfrei und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0222 oder 116 123 erreichbar. Den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen Sie unter 116 117.
So arbeite ich
In meiner Praxis arbeite ich auf drei Ebenen, zuerst am Gefühl, dann am Verstehen, dann am Handeln, in kleinen Schritten und im Tempo des Menschen, der zu mir kommt. Daran lässt sich therapeutisch arbeiten, auch wenn die Angst schon lange zum Familienalltag gehört. Die Gespräche finden in meiner Praxis in Werl statt oder per Video.
Das Erstgespräch kostet nichts und dauert 20 bis 30 Minuten. Es gibt Orientierung für den nächsten Schritt.
Dazu passen zwei weitere Beiträge: Scham bei Angst verstehen und Stell dich nicht so an: Sätze, die Menschen mit Angst nicht weiterhelfen.
Wenn Sie wissen möchten, wie ein erster Schritt in Ihrer Familie aussehen kann: Tragen Sie einen Wunschtermin für ein Erstgespräch ein, ich melde mich bei Ihnen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle therapeutische Beratung. Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie und arbeite außerhalb des gesetzlichen Krankenversicherungssystems.

