„Stell dich nicht so an.“ Wer Angst hat, kennt diesen Satz oder eine seiner Verwandten. Gesagt wird er meist ohne böse Absicht und trotzdem bleibt er hängen.
Als Heilpraktikerin für Psychotherapie in Werl erzählen mir Klientinnen und Klienten immer wieder, welche Sätze sie zu hören bekommen. Dieser Beitrag richtet sich an Betroffene und an alle, die ihnen nahestehen.
Warum solche Sätze entstehen
Wer einem Menschen beim Leiden zusieht, möchte helfen und weiß oft nicht wie. Aus der Hilflosigkeit entstehen Ratschläge, die nach einfacher Lösung klingen: Tu dir doch mal was Gutes. Lenk dich ein bisschen ab. Denk positiv. Das Gegenüber meint es freundlich und möchte, dass es dem anderen besser geht. Auch Angehörige sind oft verunsichert und suchen nach Worten.
Was Betroffene dabei erleben
Ein Satz den mir ein Klient neulich sagte: „… Wenn schon das Rausgehen zu viel ist, brauche ich nicht noch zu hören, dass ich mich nicht so anstellen soll.“ Genau dort liegt das Problem. Wer Angst hat, kämpft oft schon lange gegen sich selbst. Ein weiterer Satz von außen kommt dann als Bestätigung an, so nach dem Motto: Ich müsste das doch hinkriegen.
Verbreitet ist außerdem der Vergleich: andere haben es noch schwerer. Wer das hört, zweifelt schnell daran, ob das eigene Leiden überhaupt berechtigt ist.
Viele erleben dann Scham. Sie erzählen weniger, erklären sich seltener und halten die Fassade aufrecht. Von außen sieht alles ordentlich aus, innen kostet der Tag enorm viel Kraft. Mit der Zeit kann sich auch der Rückzug verstärken, weil es leichter ist, schwierige Situationen zu meiden, als sie zu erklären.
Warum Ablenkung und Zureden oft verpuffen
Ablenkung kann einen Moment lang entlasten. Bei Angst im Zug, im Aufzug oder im Supermarkt reagiert der Körper aber auf einen Alarm, der in Teilen des Gehirns entsteht, die schneller arbeiten als das bewusste Denken. Gutes Zureden erreicht diese Teile nur schwer.
Selbstfürsorge ist wertvoll und gehört zu einem guten Alltag. Als Antwort auf eine Angst, die den Weg zur Arbeit bestimmt, klingt „Tu dir doch mal was Gutes“ allerdings, als sei das Problem ein Mangel an Wellness.
Ein Gedanke wie „Reiß dich zusammen“ setzt zusätzlich unter Druck. Mehr Druck bedeutet meist mehr Anspannung und mehr Anspannung bedeutet stärkere Körpersignale. So kann ein gut gemeinter Satz den Kreis aus Angst und Anspannung ungewollt antreiben.
Wenn Hilfe ungewollt zum Ausweichen wird
Auch Entlastung kann gut gemeint sein: Wege abnehmen, Einkäufe übernehmen, Termine verlegen. Kurzfristig tut das gut. Auf Dauer wird der Radius des Betroffenen dadurch kleiner und die Angst bekommt mehr Raum. Hilfreich ist ein Gespräch darüber, welche kleinen Schritte machbar sind und wie Sie diese gemeinsam begleiten.
Was Betroffenen stattdessen guttun kann
Die Richtlinien für Ersthelfer bei Panikattacken nennen einige Punkte, die sich auf den Alltag übertragen lassen: ruhig und in kurzen Sätzen sprechen, das Erleben des anderen ernst nehmen und bei Unsicherheit direkt nachfragen, was gerade guttut.
Sätze, die vielen guttun, klingen so: Ich bin da. Was brauchst du gerade? Das muss sich anstrengend anfühlen. Wir gehen es in deinem Tempo an. Solche Sätze nehmen den Druck aus dem Moment.
Wenn Sie selbst betroffen sind, hilft manchmal ein Satz für die andere Seite: Ich brauche gerade keinen Rat, ich brauche, dass du da bist.
Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist
Kehrt die Angst immer wieder zurück und engt sie den Alltag ein, lohnt sich ein Gespräch mit Fachleuten. Bei körperlichen Beschwerden gehört eine ärztliche Abklärung an den Anfang. In meiner Praxis wird auf drei Ebenen gearbeitet, zuerst am Gefühl, dann am Verstehen, dann am Handeln, in Ihrem Tempo und mit Methoden, die Sie auch allein anwenden können.
Im Erstgespräch erzählen Sie, was Sie belastet und stellen Ihre Fragen. Es kostet nichts. Die Gespräche finden in meiner Praxis in Werl statt oder in Ihrer gewohnten Umgebunge per Video, also online.
Wenn Sie sich in diesen Sätzen wiedererkennen: Sie können anrufen, schreiben oder das Formular auf der Website nutzen, ich melde mich dann bei Ihnen.
Quelle: Mental Health First Aid Ersthelfer, „Richtlinien zum Umgang mit Panikattacken“ (mhfa-ersthelfer.de).
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle therapeutische Beratung. Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie und arbeite außerhalb des gesetzlichen Krankenversicherungssystems.

